Was „Volksbetrüger“ so unter Meinungsfreiheit verstehen

Auf dem Volksbetrug Blog findet sich heute ein kurzer Artikel mit folgendem Inhalt:

Für deutsche Weicheier geboren nach 1952

Das ist eine Tatsache!

Zwölfeinhalb Jahre Gefängnis nur wegen persönlicher Meinungsäußerungen wären in der  Bundesrepublik Deutschland vor 1990 nicht möglich gewesen; im BRD-Regime des 21. Jahrhunderts sind sie „Verfassungsrealität“! Das ist eine Tatsache! 22 Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es im BRD-Regime eine eifersüchtigere Zensur, eine perfekte Gleichschaltung der veröffentlichten Meinung, eine lückenlosere Überwachung der Bürger und eine hasserfülltere Verfolgung politisch Andersdenkender mit härteren Strafen als jeamls in der DDR!

!Das ist Deine Tatsache heute 2013!

Zunächst fällt mal wieder auf, dass die wahren Deutschen ihre Muttersprache nicht beherrschen. Zeichensetzung? Glückssache! Eifersucht und Eifer verwechseln? Kann ja mal passieren…

Nun aber zum Inhalt. Liebe Volksbetrüger: Eine Lüge wird nicht dadurch zur Wahrheit, dass man oft genug behauptet „Das ist eine Tatsache!“.

Denn auch in der BRD nach 1990 gilt die Meinungsfreiheit. Was jedoch vor und nach 1990 verboten waren, sind revisionistische Lügen zum Thema „Holocaust“. Denn ich gehe mal davon aus, der Beitrag bezieht sich auf Horst Mahler. Denn der wurde wegen Volksverhetzung zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Den Blödsinn, dass Zensur und Verfolgung politisch Andersdenkender in der BRD schlimmer sei, als in der DDR braucht man eigentlich nicht kommentieren. Wer sich nur ein bisschen mit der Materie beschäftigt hat und nicht einer Idealvorstellung eines rot-braunen Deutschen Reiches anhängt, kann darüber nur den Kopf schütteln.

Werfen wir dennoch mal einen Blick in das StGB der DDR:

§ 92. Faschistische Propaganda, Völker- und Rassenhetze. (1) Wer faschistische Propaganda, Völker- oder Rassenhetze treibt, die geeignet ist, zur Vorbereitung oder Begehung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit aufzuhetzen, wird mit Freiheitsstrafe von zwei bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Wer die Tat planmäßig begeht oder zu ihrer Durchführung eine Organisation oder Gruppe bildet, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren bestraft.

(3) Vorbereitung und Versuch sind strafbar.

§ 106. Staatsfeindliche Hetze. (1) Wer mit dem Ziel, die sozialistische Staats- oder Gesellschaftsordnung der Deutschen Demokratischen Republik zu schädigen oder gegen sie aufzuwiegeln,
1. Schriften, Gegenstände oder Symbole, die die staatlichen, politischen, ökonomischen oder anderen gesellschaftlichen Verhältnisse der Deutschen Demokratischen Republik diskriminieren, einführt, herstellt, verbreitet oder anbringt;
2. Verbrechen gegen den Staat androht oder dazu auffordert, Widerstand gegen die sozialistische Staats- oder Gesellschaftsordnung der Deutschen Demokratischen Republik zu leisten;
3. Repräsentanten oder andere Bürger der Deutschen Demokratischen Republik oder die Tätigkeit staatlicher oder gesellschaftlicher Organe und Einrichtungen diskriminiert;
4. den Faschismus oder Militarismus verherrlicht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Wer zur Durchführung des Verbrechens Publikationsorgane oder Einrichtungen benutzt, die einen Kampf gegen die Deutsche Demokratische Republik führen oder das Verbrechen im Auftrage . derartiger Einrichtungen oder planmäßig durchführt, wird mit Freiheitsstrafe von zwei bis zu zehn Jahren bestraft.

(3) Im Fall des Absatzes 1 Ziffer 3 ist der Versuch, in allen anderen Fällen sind Vorbereitung und Versuch strafbar.

§ 107. Staatsfeindliche Gruppenbildung. (1) Wer einer Gruppe oder Organisation angehört, die sich eine staatsfeindliche Tätigkeit zum Ziele setzt, wird mit Freiheitsstrafe von zwei bis zu acht Jahren bestraft.

(2) Wer eine staatsfeindliche Gruppe oder Organisation bildet oder deren Tätigkeit organisiert, wird mit Freiheitsstrafe von drei bis zu zwölf Jahren bestraft:

(3) Der Versuch ist strafbar.

§ 220. Staatsverleumdung. (1) Wer in der Öffentlichkeit
1. die staatliche Ordnung oder staatliche Organe, Einrichtungen oder gesellschaftliche Organisationen oder deren Tätigkeit oder Maßnahmen;
2. einen Bürger wegen seiner staatlichen oder gesellschaftlichen Tätigkeit, wegen seiner Zugehörigkeit zu einem staatlichen oder gesellschaftlichen Organ oder einer gesellschaftlichen Organisation
verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Verurteilung auf Bewährung, Geldstrafe oder mit öffentlichem Tadel bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer in der Öffentlichkeit Äußerungen faschistischen oder militaristischen Charakters kundtut.

Und nun die Quizfrage: Hätte Mahler in der DDR eine niedrigere Strafe als in der BRD zu erwarten gehabt?

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6 Antworten zu Was „Volksbetrüger“ so unter Meinungsfreiheit verstehen

  1. Gast schreibt:

    Im Forum der Volksbetrüger nimmt man es mit der Meinungsfreiheit sehr genau, wer so frei ist seine Meinung zu äußern, darf sich anschließend das Forum von draußen ansehen.

  2. reichling schreibt:

    Hinter dem Forum der Volksbetrüger steht der als Jahrhundertlügner bekannte Holger Fröhner. Und der ist sehr für Meinungsfreiheit, wenn es darum geht, dass er seine eigene Meinung frei äußern kann. Die Meinung der anderen? Das sind doch nur bezahlte Systemtrolle.

  3. Hella schreibt:

    „Wer sich nur ein bisschen mit der Materie beschäftigt hat und nicht einer Idealvorstellung eines rot-braunen Deutschen Reiches anhängt, kann darüber nur den Kopf schütteln.“

    Keineswegs!
    Was die Verfolgung Andersdenkender betrifft sind sich Drittes Reich, DDR und BRD wesensgleich, mit lediglich dem Unterschied, daß die Existenzen heute auf subtilerwe Weise vernichtet, Menschen auf verdecktere Weise zu Tode gebracht werden.

    Sachbeweis gefällig?
    Bittesehr:

    Ein Bürger, der sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung auch selbstbestimmt und nicht durch „Rechtsprechung“ fremdbestimmt (Wahrnehmung der Persönlichkeitsrechte durch Dritte?? Was aht das noch mit Persönlichkeitsrechten zu tin?! Das gibts sonst nur für Häftlinge!) ausüben will und deshalb sich weigert an jenem System der von den Krankenkassen Diktierten „Gesundheitskarte“ teilzunehmen, weil in diesem System seine personenbezogenen daten, trotz aller gegenläufigen Beteuerungen der Befürworter weder technisch, noch organisatorisch sicher sein können, dann wird er von den Ärzten schlichtweg nicht behandelt und hat dadurch nicht nur finanzielle Nachteile, sondern er wird vom System, GEMEINSCHAFTLICH (= bandenmäßig) genaudenselben gesundheitlichen Nachteilen ausgesetzt, wie die in den fürchterlichen „Konzentrationslagern“ (es waren Lager industriell betriebenen Mordes!) des Dritten Reiches:
    Hier wie da geschah dies auf Grund von „Gesetzen“(sic.), hier wie da wurden Menschen auch dadurch vernichtet, da man ihnen angemessene und NOT-wendige medizinische Hilfe unter Hinweis auf nicht von den Betroffenen gemachte Gesetze verweigerte/verweigert.
    Damit werden heute Bürger heute wie damals der unmittelbaren Gefahr des Todes ausgesetzt, denn in vielen medizinischen Konstellationen ist eine Lebensrettung lange im Voraus absehbar(sic.) und objektiv unmöglich, wenn erst zu einem Zeitpunkt behandelt wird, wo der unmittelbare medizinische Notfall eingetreten ist.
    (z.B.
    Wenn jemand bereits infolge eines Befalls mit Borrelien, oder mit Candida albicans, mit Malaria oder Krebs erst behandelt wird, wenn er dadurch bereits ins Koma gefallen ist, oder zu fallen droht (und erst in derartigen Fällen wird auch ohne Gesundheitskarte „notfallmäßig“ jemand behandelt, ist der Tod des Patienten praktisch trotz Behandlung unabwendbar, die „Behandlung“ nur noch reine Farce!)

    Das bedeutet:
    Wer sich dem Diktat des Staates und seiner menschenverachtenden Gesetze nicht beugt, wurde und wird von allen drei Regimen mit dem Tode bedroht, lediglich in der Subtilität und Tarnung der menschenfeindlichen Maßnahmen gibt es gewisse unterschiede, nicht aber bezüglich der in allen drei Regimen gleichermaßen vorhandenen tödlichen Bedrohung in dem damit aufgebauten Erpressungspotenzial!

    Von den Machenschaften der jeweiligen Geheimdienste ganz zu schweigen.

    Inmsofern kann nur mit dem Kopfe schütteln:
    1. jemand der selber zu den Tätern gehört
    2. jemand, der die tödlichen, gegen die eigenen Bürger gerichteten Mißstände, die in allen drei Fällen Staatsterror gegen die Bürger bedeuten, aus niederen Beweggründen (Habsucht, Machtsucht, Niedertracht, Leugnung des Gleichheitsgrundsatzes, Rechthaberei usw.) nicht sehen WILL offen sichtbar sind sie in allen drei Systemen, teilweise sind sie sogar dokumentiert – man studiere die Gesetzeslage, die Rechtsprechung und die Rechtspraxis und die Folgen für die Betroffenen.

    Für den Betroffenen und für uns als Gesellschaft ist es aber gleich, ob jemand in einem KZ verhungert, in das er infolge einer Denunziation eingeliefert wurde, oder ob er zu Hausim Bett verhungert, weil die Behörde ihm Pflichtverletzung unterstellt und der deshalb kein Hartz-IV-Geld ausgezahlt bekommt. (die Fälle sind im Internet dokumentiert und sollten auch von den „Kopfschüttlern“ endlich zur Kenntnis genommen werden!)

    Drittes Reich, DDR und BRD wurden und werden ganz offensichtlich von denselben (nicht nur den gleichen) Kräften und Interessengruppen intendiert – dies beweisen die die zahllosen Ähnlichkeiten der Vorgehensmuster dieser Regime gegen die eigenen (undn gegen andere!) Bürger!

    Drei Diktaturen machen aber noch keine rechtsstaatliche Demokratie – auch wenn man sie offiziell und bewußt falsch als solche offiziell bezeichnet.
    Weder von Rechtsstaatlichkeit, noch von Demokratie aber konnte und kann in diesen drei Regimen gesprochen werden und dieser Mißstand ist sachlich und historisch zurückverfolgbar bis zur Person Karls des Großen (womit auch gleich erklärt ist, warum heute der „Karlspreis“ vergeben wird – eine der Höchsten auszeichungen für Demagogen).

    Ich kann nur über die Ignoranz der „Kopfschüttler“ staunen.

    Der zynische Einwand, der, oder jener beherrsche seine Muttersprache nicht, ist insofern sachlich nicht zielführend, als daß infolge mehrerer „Rechtschreibreformen“ im deutschsprachigen Raume mittlerweile heilloses Chaos herrscht – und dieses ist nicht auf demokratische Weise zustandegekommen, sondern wurde den deutschsprachigen Ethnien in diktatorischer Weise von oben verordnet.

    Im übrigen ist es für die Deutsche Sprache typisch, daß sie regionale Besonderheiten hat, das ergibt sich aus der ethnologischen Vielfalt der „deutschen“ Nation und es zeugt von gröblichter Unkenntnis und von antidemokratischer Gesinnung, nur EINE Schreibweise als die alleinseligmachende diktieren zu wollen.

    Insofern sollten die „Kopfschütteler“ wohl eher ihre Köpfe über sich selber schütteln …

    meint

    Hella

    • Horst schreibt:

      @Hella

      Die Gesundheitskarte ist doch nur der Nachweis, daß der Patient bei einer bestimmten Krankenkasse versichert ist, und bei einem Vertragsarzt sich kostenfrei behandeln lassen
      kann.
      Selbst ohne Karte kann sich jeder gesetzlich Versicherte behandeln lassen. Er muss lediglich innerhalb von 10 Tahen dem behandelnden Arzt nachweisen, bei welcher Kasse er versichert ist. Dafür braucht er keine Gesundheitskarte, dafür reicht auch ein entsprechendes Bestätigungsschreiben der Krankenkasse aus.
      Weist der Versicherte innerhalb von 10 Tagen nicht nach, wo er gesetzlich versichert ist, bekommt er eine Privatrechnung. Dann kann er noch bis Ende des Quartals dem Arzt seine gesetzliche Mitgliedschaft nachweisen um die privatärztliche Kosten rückerstattet zu bekommen.
      Die Behauptung, die Nichtvorlage einer Gesundheitskarte begründe rechtlich eine Ablehnung der Behandlung durch einen Arzt, ist einfach nur falsch.

      Und dein perfider Vergleich mit der ärztlicher Behandlung in Konzentrationslagern des „Dritten Reiches“ verkennt in völliger Ahnungslosigkeit, daß es damas überhaupt gar kein Gesetz gab,
      das die medizinische Behandlung der Lagerinsassen regelte. Die Inhaftierten waren der Willkür der Wachmannschaften und der Ärzte hilflos ausgeliefert. Jüdische Häftlinge wurden gar nicht behandelt, chronisch Kranke und dauerhaft arbeitsunfähige in den seltensten Fällen.
      Die Ärzte übten in den meisten Fällen nur die Aufsicht aus und überliesen die Behandlung sogenannten „Häftlingspflegern“. Diese hatte selten ausreichende medizinische Kenntnisse.

      Und ja, über deinen Beitrag kann man nur den Kopf schütteln…

    • gnaddrig schreibt:

      @ Hella:

      Ergänzend zu Horst möchte ich noch anmerken, dass die Gesundheit der KZ-Häftlinge vielfach gezielt und systematisch zerstört wurde. Unterernährung, zu harte Arbeit, unzureichende oder ganz fehlende Sicherheitsmaßnahmen bei der Arbeit, unangemessene Kleidung, unsägliche Unterbringung (eng, ungezieferverseucht, teils Matratzen aus Stacheldraht mit Strohauflage, keine Heizung usw.), Misshandlung, bestialische Bestrafung für kleinste „Vergehen“ – die Liste ist lang und deprimierend. Wenn Sie derartiges im deutschen Gesundheitssystem beobachten, können Sie den KZ-Vergleich bringen.

      (Kritik an der Gesundheitskarte und den Datenschutzproblemen ist legitim, aber Ihre Totalverweigerung ist idiotisch und völlig indiskutabel. Wer jede Mitwirkung verweigert muss sich nicht wundern, dass er durch die Maschen fällt.)

      Der zynische Einwand, der, oder jener beherrsche seine Muttersprache nicht, mag sachlich oft irrelevant sein, weil Diskussionen um die Existenz und den Status der Bundesrepublik Deutschland ja in der Regel keine Schönschreibwettbewerbe sind. Wenn aber jemand kaum in der Lage ist, zwei grammatisch korrekte Sätze in lesbarer Schreibweise zu produzieren, erschwert das die Diskussion schon sehr. Wenn diese Leute dann noch überheblich auftreten und alle anderen für zu blöd zum Naseputzen erklären, laden die ja zum Seitenhieb auf ihre sprachlichen Fähigkeiten geradezu ein. Man kann sich hinter sowas natürlich auch gut verstecken und alle Kritik als unsachliche ad-hominem-Angriffe wegen Nebensächlichkeiten wie Rechtschreibung abtun.

      Und rein sachlich ist der Vorwurf, die Muttersprache zumindest schriftlich nicht besonders gut zu beherrschen, oft genug mehr als gerechtfertigt. Und Ihre Ausrede mit der Rechtschreibreform ist ausgesprochen dämlich.

      Die Behauptung, sich nur infolge mehrerer “Rechtschreibreformen” im deutschsprachigen Raume nicht vernünftig und verständlich ausdrücken zu können, ist Unsinn. Wenn irgendwelchen Wirrköpfen, die schwerverständliche Textwände posten, mangelnde Beherrschung der deutschen Sprache vorgeworfen wird, betrifft das zuallerletzt Änderungen, die sich aus der Rechtschreibreform ergeben. Deren Schreibweisen waren niemals korrekt, und es ist außerdem in der Regel auch grammatisch katastrophal. Die von Ihnen angesprochenen regionalen Besonderheiten tauchen in den jeweiligen DiskussionsbeiträgenTextwänden auch kaum je auf. Wenn jemand bayerisch oder alemannisch schreibt, ist das was anderes als wenn er „hochdeutsch“ mit katastrophaler Grammatik und wilder Rechschreibung schreibt, zumal kein ernsthafter Diskussionspartner einen Beitrag nur deswegen ablehnen würde, weil dort etwa regionales Vokabular oder mundartliche Grammatik vorkommt.

      Außerdem ist die neue Rechtschreibung nicht verbindlich, niemand muss die benutzen, höchstens Behördenmitarbeiter für ihre dienstlichen Schreibereien und Angestellte nach Maßgabe des jeweiligen Arbeitgebers. Der Vorwurf, das sei eine diktatorische Maßnahme, zieht also nicht.

  4. Caspar Borner schreibt:

    Guten Tag Hella,
    ich folge mit Interesse Ihrem Beitrag und… schüttle den Kopf. Es ist doch schon ein sehr gewagter Vergleich das Dritte Reich, die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik gleichzusetzen. Sie negieren, dass es sich um drei grundverschiedene Organisationsansätze handelt: Der streng hierachiche Führerstaat, der straff von oben nach unten durch organisiert war. Die Parteiendiktator – die im Gegensatz zum Führerstaat einen gewissen Meinungspluralismus zu ließ, ohne das dies jedoch zum öffentlichen Diskurs führen durfte. Schließlich die Stellvertreter Volksherrschaft, in dem die Staatsgewalt, um handlungsfähig zu bleiben, von hauptamtlichen Volksvertretern wahr genommen wird, die dabei – sehr zum Ärger der Vertretenen – nicht für jedes Detail den gesellschaftlichen Konsens abwarten können, jedoch den breiten öffentlichen Diskurs darüber akzeptieren wollen/müssen und gelegentlich dafür auch die Quittung erhalten, in dem ihnen das Mandat entzogen wird.
    Jedes dieser drei grundverschiedenen Systeme hat Mittel und Möglichkeiten geschaffen, sich eines gewissen Rückhalts zu versichern. Der große Unterschied zwischen der gegenwärtigen Staatsorganisation und den von Ihnen genannten anderen Organisationen ist: Die Freiwilligkeit was die Wahrnehmung der staatlichen Rückversicherungssysteme betrifft. Drittes Reich und DDR lebten einen Totalitätsanspruch an ihren Staatsbürgern. Wer an staatlichen Maßnahmen keine Teilhabe haben wollte, wurde zum Staatsfeind und außerhalb der Gesellschaft stehend angesehen und behandelt.
    Im Gegensatz dazu bietet Ihnen die Bundesrepublik an, die staatlichen Fürsorgeangebote wahr zu nehmen – es zwingt Sie niemand dazu. Wenn Ihnen die Durchführungsbestimmungen zur Gesundheitskarte (zur Teilnahme am allgemeinen gesundheitlichen Fürsorgesystem) nicht passen, dann müssen Sie keine Gesundheitskarte benutzen. Sie dürfen jedoch nicht vergessen, dass Sie im Bedarfsfall immer noch die Dienstleistung eines Dritten in Anspruch nehmen. Für diese Dienstleistung müssen Sie einen adäquaten Gegenwert leisten – dafür gibt es die Versicherungskarte oder aber Sie begleichen die Kosten Ihrer Gesundheitsfürsorge direkt und persönlich. Ich kenne keinen Arzt, der sich einem solchen Angebot verschließt. Sind Sie jedoch nicht bereit, diesen Austausch zu leben (vgl. unten), dann müssen Sie mit den Konsequenzen rechnen. Es ist ein eminenter Fortschritt, dass in unserer Gesellschaft allgemeiner Konsens ist, dass kein Mensch mehr aus Mangel an Möglichkeiten eine lebensrettende medizinische Behandlung verweigert wird.
    Ähnlich verhält es sich mit der sozialen Grundsicherung unseres Staatswesens. Dieses ist ebenfalls ein Antragsrecht, welches Ihnen nach Prüfung der Bedürftigkeit gewährt werden muss. Diese Inanspruchnahme ist aber durchaus an Bedingungen geknüpft. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt kann die weitere Inanspruchnahme versagt werden. Dies ist auch durchaus nachvollziehbar, zwingt doch unsere Staatsorganisation niemanden diese Art der Fürsorge zu beantragen.
    Haben Sie sich schon einmal Gedanken über ein bedingungsloses Grundeinkommen gemacht? Hierin liegt sicher ein Lösungsansatz für die von Ihnen bemängelte Kritik. Inwieweit ist dies jedoch gesellschaftlich Realisierbar? Und inwieweit ist dies Wirklich als Allheilmittel zu betrachten? Jede Form von menschlichem Zusammenleben, von der Menschwerdung bis zur Neuzeit, ist auf die Vergleichbarkeit und Austauschbarkeit von Fähigkeiten und Fertigkeiten gerichtet. Wer sich diesem Grundprinzip verweigert, muss mit den Konsequenzen leben. Selbst dem simpelsten Bettler in einer Fussgängerzone würde niemand ein Almosen geben, wenn er sich nicht in irgendeiner Form artikulieren kann: Fähigkeit und Fertigkeit an das Mitgefühl Dritter zu appellieren gegen Geldwert anderer. Dies negiert Ihre Argumentation und hinkt deshalb bedrohlich.
    Ihren Exkurs über die Schriftsprache interpretiere ich als amüsantes Bonnement: Die deutsche Sprache ist, wie alle anderen Sprachen auch, einem stetigen Wandel unterworfen. Wäre dem nicht so, würden Sie und ich heute noch das Niebelungenlied im Original lesen und verstehen können. Die Rechtschreibreformen der deutschen Schriftsprache stehen für diesen Wandel und kodifizieren diesen um den unvermeitlichen Wildwuchs zu minimieren. Können Sie mir einen driftigen Grund nennen, warum man bis 1996 zwischen Elefant und Delphin unterschieden hat, obwohl es phonetisch keinen Unterschied gibt? Haben Sie Bäcker immer in dieser Form getrennt Bäk-ker? Haben Sie alle 52 Komma-Regelungen des Duden von 1996 parat?
    Der Duden ist nicht das alleinige Regelwerk für die Deutsche Sprache – informieren Sie sich gefälligst! Und schließlich unterbreitet die Gesellschaft für Deutsche Sprache nur Vorschläge! Wenn die Redakteure der Nachschlagewerke diesen Empfehlungen nicht folgen würden, dann müssten verdammt viele deutsche Werktätige ihren Arbeitsplatz heute immer noch als Kontor bezeichnen. Wissen Sie, was damit gemeint ist?
    Ich pflichte Ihnen bei, dass die deutsche Sprache von regionalen Idiomen lebt. Dies betrifft aber die gesprochene Sprache und nicht die Schriftsprache! Es hat nichts mit einer antidemokratischen Gesinnung gemein, dass Martin Luther eine einheitliche Schriftsprache durch seine Bibelübersetzung begründet hat, die eine »Brückensprache« zwischen den deutschen Regionen wurde. Es ist vielmehr die Grundlage unserer deutschen Nation. Als solches ist unsere Schriftsprache auch heute immer noch zu betrachten, ermöglicht diese doch, dass der Sachse aus Görlitz ohne Probleme mit dem Ostfriesen aus Emden kommunizieren kann.
    Verbreiten Sie in Zukunft nicht mehr Ihr fatales Halb-Dreiviertel-Wissen über unser Sprache und behalten Ihre Verschwörungsideologien in diesem Bezug für sich!

    Mit besten Grüßen
    Caspar Borner

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