Tobias Sommer und sein Wunsch nach unbegrenzter Freiheit

Die hier und hier thematisierte zeitweilige Sperrung seines Blogs nimmt Tobias Sommer zum Anlass, mal wieder vom Leder zu ziehen. Er beginnt seinen Beitrag typisch, nämlich mit einem angeblichen Zitat, für das er keine Quelle nennen kann (auch Google findet hier nichts), das er aber einem „Politikerdarsteller“ zuschreibt. Nichts neues also an der Reichsdeutschen-Front: Stimmungsmache durch unbelegte Behauptungen.

Ihm ist die Quelle aber auch egal, weil

„alle “Deutschlands”, die ich bisher in diesem Leben so kennengelernt habe, vieles sind, jedoch nicht FREI.“

Gut, davon ausgehend, dass er bisher zwei „Deutschlands“ erlebt hat (DDR und BRD) ist diese Aussage zu mindestens 50 % nachvollziehbar.

Zu Beginn bestätigt Sommer die Gerüchte, dass die vorrübergehende Pause seines Blogs nicht freiwillig war. Und er erklärt auch gleich, warum der Blog gesperrt wurde (und bestätigt somit meine Theorie dazu).

„Mein Blog war eine Zeit lang gesperrt,  (und wir werden sehen, ob das nach diesem Artikel wieder geschieht), weil in den Kommentaren (!) zu zwei Artikeln die Existenz des Holcaust™ angezweifelt wurde. Das heißt, ich selbst war gar nicht direkt wg. der Artikel an für sich im Visier, SONDERN IHR, bzw. Eure Meinung!“

Hierzu sollte man vielleicht anmerken, dass Herr Sommer seine Kommentare zensiert, d.h. Kommentare müssen erst durch ihn freigeschaltet werden. Desweiteren waren die Kommentare längere Zeit online. Und man sollte anmerken, dass Herr Sommer von einem anderen Kommentator für die Freischaltung der Kommentrae kritisiert wurde, er dies aber mitder Meinungsfreiheit aus Art. 5 GG rechtfertigte. Wahrscheinlich hat er den Absatz 2 nicht gelesen. Denn hier steht ausdrücklich

“ Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Dann werfen wir doch mal einen Blick in eine der Vorschriften der allgemeinen Gesetze, z. B. § 130 Absatz 3 StGB:

Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

Später gibt er dann noch den Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention an. Auch hier hat er offensichtlich Absatz 2 nicht gelesen, oder nicht verstanden (oder bewusst ignoriert?) Dort heißt es:

„Die Ausübung dieser Freiheiten ist mit Pflichten und Verantwortung verbunden; sie kann daher Formvorschriften, Bedingungen, Einschränkungen oder Strafdrohungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die nationale Sicherheit, die territoriale Unversehrtheit oder die öffentliche Sicherheit, zur Aufrechterhaltung der Ordnung oder zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral, zum Schutz des guten Rufes oder der Rechte anderer, zur Verhinderung der Verbreitung vertraulicher Informationen oder zur Wahrung der Autorität und der Unparteilichkeit der Rechtsprechung.“

Okay, also auch hier wird die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Mal schauen, was mit Tobis dritter rechtlicher Grundlage der Meinungsfreiheit ist.  Die Rede ist von Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Im Text findet sich keine Einschränkung. Allerdings findet sich auf der oben von mir und auch von Tobias Sommer verlinkten Seite eine Erläuterung, in der es heißt:

„Allerdings darf das Recht der Meinungsäusserung nicht absolut verstanden werden und seine Ausübung unterliegt einer besonderen Verantwortung: Eine Schranke findet das Recht etwa bei der Achtung des Rufes anderer Personen, bei der rassistischen Hetze oder beim Aufruf zu Gewalthandlungen.“

Halten wir also fest: Tobias Sommer behauptet, es handele sich um Zensur, da die Holocaustleugnung durch Art. 5 GG, Art 10 MRK und Art. 19 AEMR gedeckt sei. Dies ist nachweislich gelogen!

Natürlich hat Tobias Sommer auch eine Erklärung dafür, dass die Menschenrechte (seiner MEinung nach) nicht eingehalten werden. Und natürlich ist diese Erklärung typisches Reichsdeppengeschwurbel.

„Ach Mist, um Rechte, bzw. “Menschenrechte” zu bekommen, müßte man ja erstmal “Mensch” im Sinne des Gesetzes sein und in einem Rechtsstaat leben, der einem ohne Ansicht von Stand und Person (das böse Wort)mit gültigen Gesetzen zu seinem Recht verhilft….!“

Okay. Schauen wir doch mal nach, ab wann man so „Mensch im Sinne des Gesetzes“ ist. Mir fällt da spontan § 1 BGB ein. Demnach beginnt die Rechtsfähigkeit des Menschen mit der Vollendung seiner Geburt. Tobias Sommer sollte demnach ein rechtsfähiger Mensch sein.  Lebt Tobias Sommer in einem Rechtsstaat? Wenn man die allgemein anerkannten Definitionen z. B. von Wikipedia, rechtswörterbuch.de oder der Bundeszentrale für politische Bildung zu Grunde legt, stellt man fest: Tobias Sommer ist ein rechtsfähiger Mensch, der in einem Rechtsstaat lebt. Da „person“ für Sommer ja ein Unwort ist, kann ich ihn sogar beruhigen. Nach Art. 1 GG sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Und den Blödsinn über diwe angeblich ungültigen Gesetze haben doch langsam mal genug Leute widerlegt.

Wir halten also fest: Tobias Sommer ist ein rechtsfähiger Mensch, der in einem Rechtsstaat lebt, der allen Menschen mit gültigen Gesetzen zu seinem Recht verhilft.

Vorsorglich stellt Sommer klar, dass er die Existenz des Holocaust nicht leugnet. Mag sein. Dafür relativiert er ihn (was man als „Verharmlosung“ nach § 130 StGB sehen könnte). Er schreibt

„Mich irritiert nur die Anzahl der Getöteten, da in heute noch existierenden Unterlagen (Arolsen) oder in der Gedenktafel bei Yad Vashem die berühmten 6 Mio. einfach nicht zu finden sind. Das steht irgendwas von “<200.000″.“

Besonders perfide ist hierbei der Link zur Seite von Yad Vashem, mit dem er den Eindruck erzeugt, dort sei von weniger als 200.000 Opfern die Rede. In Wirklichkeirt steht auf der Homepage von Yad Vashem jedoch

„The Holocaust was the murder by Nazi Germany of six million Jews.“

Auch hier zeigt sich wieder der typische Umgang mit vermeintlichen Quellen. Es wird gelogen, bis sich die Balken biegen! Eine Überprüfung der zweiten „Quelle“ für seine Zahl von weniger als 200.000 scheitert („noch existierende Unterlagen (Arolsen)“) haben andere schon übernommen und sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

„Die „Revisionisten“ – genauer gesagt, die Leugner des Judenmordes – benutzen mitunter amtlich wirkende Zahlen, um zu „beweisen“, dass im Holocaust erheblich weniger Opfer umgekommen wären, als in historischen Werken gemeinhin nachzulesen ist.

Viele dieser Zahlen sind jedoch frei erfunden, während andere auf Angaben beruhen, die von den Leugnern des Judenmordes bewusst in einen falschen Kontext gestellt werden, um den gewünschten Eindruck zu erwecken.

In diesem Zusammenhang werden gelegentlich auch Zahlen zitiert, die (manchmal angeblich, manchmal tatsächlich) vom Suchdienst des Roten Kreuzes in Arolsen stammen.“

Und in bester Revisionisten und Holocaustleugner / -verharmloser Manier fährt Sommer fort:

„Apropo Holocaust™: Ich denke, es gab sogar mindestens drei davon! Einmal der eine, der bekannteste eben. Dann, wenn man das Wort “Brandopfer” (was Holocaust™ ja eigentlich heißen soll) wörtlich nimmt, muß ich einerseits an die Bombardierung von Dresden denken. Und andererseits an das Vernichten von Millionen deutscher Soldaten in alliierten Kriegsgefangenenlagern. Manche Lager hatte sogar so schöne Bezeichnungen wie “Rheinwiesen”.“

Bezüglich der Rheinwiesenlager verweise ich auf diesen, diesen und diesen Artikel.

In den Kommentaren findet sich dann die übliche Mischung aus reichsdeutschem Schwachsinnsgeschwurbel, antisemitischen Anklängen und generelle Ablehnung des deutschen Staates.

Also alles wie immer, bie Herrn Sommer. Er lügt sich seine Welt zurecht.

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2 Antworten zu Tobias Sommer und sein Wunsch nach unbegrenzter Freiheit

  1. Pingback: Noch mehr Lügen zum Thema Staatsangehörigkeit (Teil 1) | ironleafs und andere "Volksbetrüger"

  2. gnaddrig schreibt:

    Die Zahlenspielereien finde ich zugleich widerlich und witzlos. Selbst wenn im Holocaust nicht 6 Millionen Juden umgebracht worden sein sollten, sondern „nur“ 200.000 oder eine halbe Million – wäre das soviel weniger schlimm? Da wäre immer noch eine Kulturnation hergegangen und hätte ohne Anlass mit vorgeschobener Begründung Hunderttausende Menschen in einer jahrelangen Blitorgie ermordet und ihr Vermögen gestohlen.

    Selbst wenn man den Vorwurf, Deutschland habe versucht, die Juden vollständig zu vernichten wollen, fallen ließe, wären die genannten 200.000 immer noch genug für den größten Völkermord der Geschichte.

    Ob in Auschwitz nun eine Million ins Gas gezwungen wurden oder „nur“ 50.000 – das Verbrechen ist in beiden Fällen unfassbar und unentschuldbar. Insofern sind diese Zahlendrehereien ausgesprochen dämlich – selbst wenn sie den Tatsachen entsprächen, wären sie zur Entlastung deutschen Gewissens völlig ungeeignet. Man bringt eben nicht mal versehentlich ein bis zwei Großstädte voll Menschen um. Das ist nichts, was einem an einem schlechten Tag mal so passieren kann.

    Man gewinnt mit dieser Laviererei nichts, sondern macht sich lächerlich. Wie ein kleines Kind, das beim Klauen erwischt wurde und dann lautstark reklamiert, es habe eben nicht eine ganze Tüte Bonbons geklaut, sondern nur eine handvoll. Das zieht einfach nicht.

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