Eisenblatt, die englische Kriegserklärung und falsche Schlussfolgerungen

In üblicher Reichsdeppenmanier spiegelt Eisenblatt heute einen Text der „Preußischen Allgemeinen“ mit dem Titel „London war vorbereitet – Kriegserklärung an Deutschland schon vor Angriff auf Polen fertig“.

Zunächst die Fakten. In dem Artikel geht es um ein Manuskript der aus dem Film „The King’s Speech“ bekannten Ansprache des englischen Königs Georg VI. an seine Untertanen, in der er die Kriegserklärung an Deutschland bekannt gab.

War man bisher davon ausgegangen, der König habe diese Rede am 03.09.1939 nur kurzfristig vorbereiten können (so wird es auch im Film dargestellt), so muss diese Ansicht nun revidiert werden. Bei Sotheby’s wurde ein Manuskript der Rede versteigert, dass offensichtlich bereits am 25.08.1939 erstellt wurde. Die Ansprache war somit bereits vor dem Angriff Deutschlands auf Polen am 01.09.1939 vorbereitet. In der Rede heißt es unter anderem:

„Nach langen, vergeblichen Friedensbemühungen befinden wir uns im Krieg“

Die Reichsdeppen folgern aus der Tatsache, dass die Rede bereits vor dem 01.09.1939 fertiggestellt wurde, dass es sich dabei um eine unwahre Aussage handelt. So schreibt ein Kommentator bei Eisenblatt:

„Der Überfall auf Polen, ein Blödsinn, der sich so langsam aufklärt.“

Und der meinen Lesern bereits bekannte Heim ins Reich“ schreibt:

„Bin gespannt was aus der Heß Akte 2017 wird. Die verschwindet bestimmt rechtzeitig so wie er, oder die Verschlußsache wird einfach verlängert. Was man uns antut, ist eigentlich kaum noch zu ertragen. Vielleicht müssen wir einfach nochmal marschieren, ein letztes mal :wink: !. Dann wird es warscheinlich kein Deutschland mehr geben, aber immerhin kann man dann sagen, die Deutschen haben sich niemals aufgegeben. So kann es jedenfalls nicht mehr weitergehen.“

Es wird also der Eindruck erweckt, der Krieg gegen Deutschland sei beschlossene Sache gewesen, unabhängig vom deutschen Angriff auf Polen. Doch hält dies einer Überprüfung stand?

Tatsache ist, wie oben erwähnt, dass die Rede bereits vorbereitet war. Man war also in England auf einen möglichen Kriegseintritt vorbereitet. Aber betrachtet man die Ereignisse seit 1933, so ist dies nicht wirklich verwunderlich.

Der englische Blog „Royal Central“ zitiert den Historiker Nigel Steel vom Imperial War Museum mit den Worten (Übersetzung von mir):

„Als es passierte, kam der Krieg nicht aus heiterem Himmel. Es gab vorher eine Menge politischer Krisen, in die Deutschland involviert war, die mehr als ein Jahr andauerten. Der Gedanke, dass die Rede im Vorfeld des Krieges vorbereitet war, ist keine große Überraschung, insbesondere da der König Schwierigkeiten mit dem Halten von Reden hatte.“

Aus englischer Sicht zeichnete sich ein Krieg mit Deutschland bereits seit längerem am Horizont ab. Es begann, als Hitler konsequent die Bestimmungen des Versailler Vertrags ignorierte. Hierzu zählen: das Stoppen der Reperationszahlungen und der Rückzug aus dem Völkerbund 1933, die Aufrüstung der Wehrmacht und die Einführung der Wehrpflicht 1935, der Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland 1936, der Anschluss Österreichs und der Einmarsch in die Tscheslowakei 1938. Der Angriff auf Polen war somit nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Dazu kommt, dass Hitler seine außenpolitischen Vorstellungen in „Mein Kampf“ bereits dargelegt hatte. „Mein Kampf“ wurde auch ins englische übersetzt und wurde in England entsprechend aufgenommen. So schreibt der Spiegel:

„Die Reaktion der englischen Presse auf die englische Übersetzung im Jahre 1939 ist beredt genug. „The Daily Telegraph“ vom 23. März 1939 und „The Times“ vom 25. März 1939, um an dieser Stelle nur diese beiden großen Zeitungen zu nennen, drückten aus, wie gut die englische Öffentlichkeit und die politische Führung nach der Lektüre von „Mein Kampf“ verstanden hatten, welche Rolle England in Hitlers Konzept zugedacht war.“

Weiter schreibt der Spiegel:

„Allerdings hatte Hitler […] bereits am 23. Mai 1939, am Tage nach der Unterzeichnung des „Stahl-Paktes“ zwischen Deutschland und Italien, […] erklärt: „Wir müssen alle Brücken hinter uns abbrechen“ und den Krieg gegen England vorbereiten, da England die treibende Kraft gegen Deutschland sei.“

Dass man in England also mit einem nahenden Kriegsbeginn rechnete und sich auf diesen vorbereitet, dürfte nicht verwunderlich sein. Erstaunlicher wäre es, England hätte nicht damit gerechnet und wäre nicht vorbereitet gewesen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Schuld am Beginn des Zweiten Weltkriegs auf deutscher Seite liegt.

Und wenn man sich dann noch ansieht, was genau an diesem 25.08.1939 noch in der Welt geschah, außer dass die Rede des Königs vorbereitet wurde, dürften alle diesbezüglichen Fragen geklärt sein:

„Wie bereits Anfang August entsandte er [Hermann Göring] inoffiziell einen Vertrauten, den schwedischen Geschäftsmann Birger Dahlerus (1891–1957), am 25. August nach London, um die britischen Regierung der deutschen Verständigungsbereitschaft zu versichern. Am selben Tag gab Hitler um 15:02 Uhr jedoch Befehl, den Angriff auf Polen am Morgen des 26. August zu beginnen. Um die britische Regierung doch noch auf seine Seite zu ziehen, ließ er den britischen Botschafter Sir Nevile Henderson (1882–1942) zu sich kommen und erklärte ihm, dass er bereit wäre, nach einer Lösung der Probleme mit Polen einen Vertrag mit Großbritannien abzuschließen, in dem alle generellen Interessen geklärt werden sollten. Dies beträfe deutsche Kolonialforderungen, aber auch deutsche Militärhilfe für Großbritannien. Nur Stunden später, um 16:30 Uhr, traf die Nachricht in Berlin ein, dass die britische und die polnische Regierung gerade einen formellen Beistandspakt abgeschlossen hätten, welcher die bisher nur mündlich erfolgte Garantieerklärung festigte. Um 17:54 Uhr teilte Mussolini Hitler mit, dass sich Italien nicht an einem Krieg beteiligen würde.“

Quelle: Wikipedia

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